Klappe, Action, Film läuft: Keine andere Simulation punktet mit so vielen innovativen wie detailverliebten Ideen und wurde dennoch völlig vergessen.
Vor langer, langer Zeit irgendwo in Hollywood (um ehrlich zu sein: vor 18 Jahren in Guildford, UK) – Gut 15 Jahre ist es jetzt schon her, als ich erstmals die Filmklappe ölte, angehende Stars anheuerte und mit meinen eigens erdachten Blockbustern virtuelle Kassenschlager schuf. The Movies entwickelte niemand Geringeres als Peter Molyneuxs verblasste Innovations-Schmiede Lionhead, der wir auch die Göttersimulation Black & White und die Rollenspielreihe Fable verdanken. Noch heute lege ich einmal jährlich die Disk in mein verstaubtes DVD-Laufwerk, um mich von der innovativen Vision der unbegrenzten Möglichkeiten Hollywoods berauschen zu lassen und mich kreativ auszutoben. Was war so genial an The Movies und wie könnt ihr es noch heute spielen?
The Movies: Es war einmal in Hollywood
So beginnt der Aufstieg unseres eigenen Hollywood-Studios in The Movies: Wenn wir unsere Reise als angehende Traumschmieder beginnen, führt uns zuerst ein kurzes Tutorial ein. Haben wir das abgeschlossen, starten wir mit einem Anblick, der Aufbau-Experten sofort bekannt vorkommt: Eine große, grüne Fläche. Naja, grün-braun. Kalifornien eben.
Einen Holzfäller müssen wir hier nicht errichten, einzig unser Geld muss ausreichen, um neue Bauprojekte zu finanzieren. Das klingt für ein Aufbauspiel zwar erst mal viel zu einfach, die nötige Komplexität streut The Movies aber an vielen anderen Stellen ins Spiel ein. In der Schauspielschule heuern wir die Stars von morgen an, die alle nicht nur über Talente in bestimmten Film-Genre verfügen, sondern auch eigene Charakteristika mitbringen. Der eine trinkt, wenn er gestresst ist, die nächste möchte in Prunk leben und unser früher Regisseur rastet gerne mal am Set aus. Den perfekten Star suchen wir also vergeblich. Allerdings können wir in einem separaten Editor unsere eigenen Pitts, Nortons und DeNiros erschaffen.
The Movies: Unsere Stars und Sternchen sind den Sims nicht fern
Darum erinnern die Stars in The Movies mich oft an die Sims: Unsere Schauspieler*innen und Regieführende bringen allesamt eine Menge Bedürfnisse mit sich: Nichts darf sie zu viel stressen, Langeweile soll aber auch nicht aufkommen. Sie wollen zeitgemäß gekleidet sein und angemessen bezahlt werden. Altern sie bei fortschreitender Spielzeit, sind sie auch unzufriedener mit ihrem Aussehen – dafür bauen wir später eine Schönheits-Chirurgie. Ist einer mal dem Alkohol verfallen, müssen wir ihn auf Entzug schicken – dann fällt der Star für eine ganze Zeit aus und kehrt äußerst schlecht gelaunt wieder auf den roten Teppich zurück. Sogar die Beziehungen zwischen den Stars wirken sich auf unsere Filmproduktionen aus.
Doch braucht ein Film natürlich mehr als nur pure Star-Power – wer hält denn sonst die Kamera? Auch eine Crew heuern wir an. Die hat zwar keine Bedürfnisse, dafür erhält sie für jeden Film Erfahrung, die sich langfristig ebenfalls in den Filmkritiken wiederfindet. Auch Handwerker brauchen wir, um neue Sets zu bauen, das Studio-Gelände vom Schmutz zu befreien und alle Gebäude instand zu halten. Statisten stellen wir für unsere Filme ebenfalls ein. Die lernen mit jeder Produktion in dem jeweiligen Genre dazu und können später zu vollwertigen Stars aufsteigen.
The Movies: Eine detaillverliebte Reise durch die Filmgeschichte
Unser Film-Studio ist in The Movies unser größtes Baby: Von 1920 an haben wir Zeit, um an den anderen großen Studios vorbeizuziehen. Auch hier hat Molyneuxs Team richtig geklotzt. So müssen wir nicht nur unsere Stars pushen und Kino-Meilensteine produzieren, ein schönes Studio-Gelände ist ebenso wichtig wie die schwarzen oder roten Zahlen auf unserem Konto. Haben wir richtig Glück oder den Dreh raus, bekommen wir einmal jährlich vielleicht sogar eine Trophäe während der animierten Preisverleihungen. Nach jedem einzelnen Film-Release erhalten wir außerdem Lobeshymnen oder vernichtenden Kritiken von der Filmwelt.
Auf unsere Reise durch die Filmgeschichte begleitet uns außerdem ein Radiosender, der zu korrekten historische Ereignissen seinen überspitzt-witzigen Senf dazu gibt. Auch unsere Filme entwickeln sich weiter: Drehen wir zu Beginn noch schwarz-weiße Kurzfilme ohne gesprochenes Wort, produzieren wir zwanzig Jahre später schon kolossale Historien-Schinken. Allein Forschen können wir hier nicht wirklich, die Neuerungen schaltet die Zeit frei.
The Movies: Deshalb ist das Spiel so genial
Darum liebe ich The Movies so sehr: Einer der beiden Hauptgründe, warum ich dieses Spiel so in mein Herz geschlossen habe, ist der Detail-Grad. Die Crew schleppt Kameras und Stühle zum Set, dort angekommen beobachten wir die Szene, die sich vor uns genauso abspielt wie später im fertigen Film und ja – den können wir uns bei Veröffentlichung natürlich auch in voller Länge ansehen. In den Imbiss-Wägen hantieren hyperaktive Köche, Stars beginnen Streitereien mit Statisten und träumende Bewerber*innen hibbeln aufgeregt vor unseren Toren.
Der zweite Grund, der The Movies zu einem der genialsten Tycoon-Spiele aller Zeiten macht, ist, neben der charmanten Präsentation, den ausgeklügelten Mechaniken und dem liebevollen Auge zum Detail der Film-Editor. Ja: Wir können in einem leicht zu bedienenden Editor aus massenweisen Szenen schöpfen, Schauspieler*innen zuweisen und so unsere ganz eigenen Drehbücher schreiben. Besonders innovativ war damals auch, dass wir unsere Filme auch via Internet mit anderen teilen konnten. Das klingt zwar heute nicht nach viel, doch steckte YouTube zu jener Zeit noch in den Kinderschuhen. Eine gewisse Coldmirror sollte ein Jahr nach Release übrigens selbst einige ihrer The-Movies-Projekte auf der Plattform hochladen.
Ich könnte noch von verrückt vielen Animationen, tollen Eigen-Kreationen, Eskapaden der Stars, einem lächerlich großen Requisiten- und Kostümfundus und vielen großartigen Momenten aus dieser vergessenen Perle berichten, doch möchte ich euch nicht zu viel vorwegnehmen. Wenn ihr Filmfan seid und schon immer eigene Hollywood-Blockbuster drehen wolltet, erfüllt euch The Movies die perfekte Illusion eurer eigenen wimmelnden Traumfabrik. Habt ihr auch nur ein kleines Plätzchen in eurem Herzen für Tycoon-Spiele übrig, schlagt bedenkenlos zu! Die Grafik ist auch nicht so altbacken, wie man von einem fast 20 Jahre alten Spiel erwarten könnte. Allerdings müsst ihr heutzutage leider einen recht hohen Preis bezahlen und euch länger als nötig mit der Installation auf modernen Systemen herumschlagen. Durch letztere Schwierigkeiten helfen wir euch aber natürlich.
The Movies: So könnt ihr den Titel noch heute spielen
Wie bringt ihr The Movies zum Laufen: Die Verwöhnung aktueller Spiele, die ihr einfach via Steam oder Epic runterladet, gab es Anno 2005 noch nicht. Da das Studio schon 2016 seine Pforten schloss und niemand mehr das Spiel auf moderne Hardware heben kann, sucht ihr The Movies bei den herkömmlichen Launchern leider vergeblich.
Habt ihr nicht das Glück gehabt, schon vor einem Jahrzehnt das Game in der realen Grabbelkiste bei Saturn, MediaMarkt oder GameStop für ‘nen Apfel und ein Ei abzustauben, müsst ihr leider etwas mehr Geld berappen. Bei Amazon bekommt ihr die Perle für knapp 50 Euro. Lasst euch davon aber nicht abschrecken, es lohnt sich so sehr!
Auch nicht abschrecken lassen solltet ihr euch von der etwas komplizierten Installation. The Movies ist für Windows XP ausgelegt und es ist ein kleiner Akt, die Simulation auf modernen Geräten spielbar zu machen. Wir geben euch aber eine Step-by-Step Anleitung:
- 1.: Legt die Disc ein, öffnet sie auf eurem Arbeitsplatz via Rechtsklick – öffnen – und führt die „Setup“-Datei als Administrator aus (Rechtsklick auf die Datei und „Als Administrator ausführen“ anwählen)
- 2.: Klickt euch wie gehabt durch die Installation, wählt einen Pfad eurer Wahl und wartet, bis das Spiel die erforderlichen 2,4 GB installiert hat. Den Media Player 9 braucht ihr nicht zu installieren – der von Windows vorinstallierte Media-Player reicht völlig aus. DirectX 9 braucht ihr auch noch. Auf der Disc ist aber eine alter Version drauf. Ladet sicherheitshalber lieber die aktuelle Version von Microsoft hier herunter.
- 3.: Ladet euch den Patch 1.1 HIER runter und installiert ihn. Schaltet vor dem Download und der Installation aber kurz euer Anti-Viren-Programm aus. Das mag die .exe so gar nicht – warum auch immer. Mir ist nichts Schlimmes passiert. Das Programm erkennt selbst, in welchen Ordner ihr das Spiel gelegt habt.
- 4.: Jetzt braucht ihr leider noch einen Crack. Nun bewegen wir uns rechtlich in einer ziemlichen Grauzone. Sucht via Google oder schaut euch dieses YouTube-Video an. Einen direkten Link kann ich euch hier leider nicht anbieten. Ihr werdet aber sicher fündig! Achtet aber darauf, den Crack für Version 1.1 herunterzuladen. Und habt kein schlechtes Gewissen: Schließlich habt ihr das Spiel ja gekauft.
- 5.: Jetzt müsst ihr nur noch die frisch heruntergeladene Movies.exe in den Spieleordner schieben und das Spiel darüber starten. Geht anschließend am besten ins Grafikmenü – bei jeder noch so kleinen Änderung möchte sich The Movies nämlich neu starten.
- 6.: Geschafft. Jetzt ist es endlich an der Zeit, euer eigenes Hollywood-Imperium zu gründen, Kassenschlager zu erschaffen und eure ganz eigenen Drehbücher zu schreiben. Viel Spaß!
- 7.: Einige Spielende stoßen beim Filmdreh auf neueren Systemen auf fehlende Texturen. Mir ist das zwar noch nie passiert, sollte der Bug euch aber heimsuchen, findet ihr hier eine Anleitung, das Problem zu beheben.
Fun Fact: In Europa vertrieb Activision The Movies. So gehören sowohl die Rechte am Spiel als auch der komplette Publisher von The Movies, heute Microsoft. Hey Phil, du hast doch bestimmt ein paar Milliönchen für The Movies 2 übrig, oder etwa nicht?
Veröffentlicht bei ingame.de: https://www.ingame.de/news/innovativstes-spiel-the-movies-lionhead-peter-molyneux-microsoft-activision-hollywood-guildford-92657758.html





