Über Mich
Schon zu Schulzeiten verging kaum eine Mathe-Stunde, in der ich mich nicht in den Deutschunterricht wünschte. Zwar lösten Videospiele Bücher und Filme als mein liebstes erzählendes Medium schon in der Grundschule ab, die fehlende Interaktivität und die nicht vorhandene Möglichkeit der Geschichte meinen ganz persönlichen Stempel aufzudrücken, ließen die alteingesessenen Medien Meilen hinter sich zurück. So schreibe ich seit Kindertagen sehr sehr gerne, am Liebsten über eben jenes phänomenale Medium, dass sich Videospiele nennt.
Welche Games mich in meiner dreiundzwanzigjährigen Passion am meisten begeisterten, prägten und faszinierten, seht ihr in meiner “Spielehistorischen Videobiografie”. Jeder Text ist subjektiv. Hiermit möchte ich euch ermöglichen, meine Texte zu “objektivieren”. Viel Spaß!
Doch wer bin ich eigentlich?
Über sich selbst zu schreiben ist immer so eine Sache. Man will nicht zu unkritisch sein da es sonst zu unauthentisch ist, zu kritisch will man in der Öffentlichkeit aber auch nicht mit sich selbst ins Gericht gehen. Schließlich steckt man solche Texte eigentlich meist in Bewerbungen die eben dazu da sind zu “bewerben”. Eine wirklich authentische Auseinandersetzung mit sich selbst ist also außerhalb einer professionell geführten Therapie gar nicht so einfach. Da ich jedoch schon seit Jahrzehnten Videospiel-Kritiken schreibe, mache ich doch einfach das. Das kann ich. Also: Kaspar von Oppen analysiert, als wäre ich eine Videospiel. Viel Spaß!
Test: Kaspar von Oppen
Nach einer über 30 Jahre langen wie turbulenten Entwicklungsgeschichte sind Kritiker und Spieler gleichermaßen gespannt wie skeptisch, schließlich sind häufige Verschiebungen sowie Entwicklerwechsel selten ein gutes Omen für den Zustand eines Spiels. Dazu kommt, dass der Titel im spielehistorischen Kontext über die Hälfte der Zeit, die das gesamte Medium überhaupt existiert, in der Entwicklung war. Wenn erste Ideen und Konzepte in dem Jahr entstanden, in dem Ultima VII oder Indiana Jones – Fate of Atlantis erschienen, Reihen, die die Zeit nicht zu überdauern vermochten, könnten damalige Inspirationen und Überlegungen heute durchaus altbacken und wenig innovativ daherkommen. Gerade technisch hat sich in den vergangenen drei Jahrzehnten außerdem einiges getan, weshalb wir mit eben jener unseren Test beginnen wollen.
Schick, aber leger
Optisch merkt man dem Titel sein Alter durchaus an – ins Besondere die Charaktermodelle sind gröber als im herausgegeben Pressematerial – von einem Downgrade-Skandal kann jedoch keine Rede sein. Da die Spielwelt aus einem einzigen großen Areal besteht, kommt es während des Spielens zu keinen Ladezeiten. Der erstmalige Bootprozess eines Tages kann jedoch eine Weile dauern – hier empfehlen wir Kaffee!
Die Sprachausgabe fällt wiederum professionell aus – die lange Zeit die der Titel beim „Sächsischen Ausbildungs- und Erprobungskanal“ (SAEK) verbrachte, zahlt sich hier richtig aus. Präzise Betonung, ordnende Textübersicht,
angenehme Erzählstimme – vor allem die ruhigeren, bildmalerischen Absätze können sich hören lassen. Die Abmischung ist ebenfalls gut gelungen, man beweist ein Gespür für Schnitte und Übergänge und ein Auge für Details – hier liegen mit die größten Stärken des Spiels.
Das kommt auch den Texten zu Gute, die, je nach Situation abwechslungsreich und durchdacht ausfallen, auch wenn hier noch Luft nach Oben ist. Gerade was unnötig lange Schachtelsätze betrifft, die den Autoren merklich Spaß gemacht zu haben scheinen, sollte noch simplifiziert werden – Feedback von Profis oder aus der Community können hier noch einiges bewegen. Grafisch ist der Titel allerdings anspruchsvoll und ist ungemein fasziniert von den immer pompöseren Mitteln, derer sich das Medium mit jeder weiteren Hardware-Generation bedienen kann. Der Soundtrack fällt außerdem recht divers aus: Neben Songs von bekannteren Bands wie Wenzel, Käptn Peng, Charlie Winston, Ren, Manfred Krug und Coldplay, gibt es auch einige vom Protagonisten neuvertonte Gitarren-Versionen, die sich durchaus hören lassen können. Allgemein herrscht für meinen Geschmack jedoch zu viel Swing, Jazz und Singer-Songwriter in der Playlist vor – vielleicht bringt die Zeit an dieser Stelle noch mehr Abwechslung.
Begeistertes Spielekind mit (manchmal zu) strengem Kritiker
Die Leidenschaft für Storytelling im Allgemeinen zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Spiel. Oft wird versucht, die Geschichte in eine bestimmte, vorhersehbare Richtung zu lenken, um anschließend mit alteingesessenen Genre-Konventionen bewusst brechen zu können. Dieser Anspruch, stets Unerwartetes zu liefern und zu jedem Thema eine neue, vorab noch nicht da gewesene Perspektive aufzuzeigen, ist zwar ungemein löblich, jedoch hat dieser Umstand sicherlich zu der langen Entwicklungsdauer beigetragen. Doch worum geht es eigentlich?
Wir schlüpfen in den namensgebenden Kaspar – einen jungen Mann in seinem besten Alter, der versucht, in einer komplexen, offenen Spielwelt seinen Platz zu finden. Auf seiner Reise durch das riesige, immer weitläufiger werdende Areal, trifft er auf unterschiedliche Charaktere und wird Stück für Stück in einen Strudel aus Talenten, Unsicherheiten, Träumen und Hoffnungen sowie Sinnfragen gesogen. Dabei nimmt die Geschichte kaum ein Blatt vor den Mund – philosophische Themen sind genauso an der Tagesordnung wie die Auseinandersetzung mit den düsteren, melancholischen Momenten des Lebens, die mit der Beschäftigung der großen Fragen des Universums zwangsläufig einhergehen – jedoch wissen die Autoren stets für ausreichend heitere, gar ungemein witzige Momente zu sorgen. Diese Diskrepanz macht den Charakter der Figur anfangs zwar unnötig schwer zu greifen, nach etwas Zeit haben wir die herzliche und positive, wenn auch manchmal unbeholfene Art des Protagonisten jedoch sehr in unser Herz geschlossen.
Steter Optimismus trifft begeisterte Passion
Bemerkenswert ist die beinahe stets gegenwärtige, positive Grundstimmung, die sich oft auf Figuren in Kaspars Umfeld sowie auf den Spieler selbst zu übertragen weiß. So ist der Titel auch hervorragend kooperativ spielbar. Außerdem hervorheben wollen wir die Kreativität, die in der Entwicklung an den Tag gelegt wurde. Doch können die Autoren zu oft die Tinte nicht halten, womit einige Passagen zu lang ausfallen. Auch das Auge für Details ist zwar nice to have, oft jedoch äußerst suchend und penibel, was dem Gesamtfortschritt hinderlich im Weg stehen kann.
Gerade kreative Aufgaben scheinen in der Entwicklungsphase häufig für viel Motivation gesorgt zu haben, weniger Spannendes wurde jedoch auch mit weniger Liebe ausgeführt. So fallen die Menüführung und die Organisation einzelner Quests beispielsweise umständlicher aus, als es sein müsste. Das wäre allerdings nichts, was nicht mit Patches behoben werden könnte.
Die flammende Leidenschaft für Videospiele wiederum ist gerade im Gameplay und der Spielwelt deutlich spürbar. So scheint in der Vergangenheit ein breites Spektrum an Genres gespielt und analysiert worden zu sein. Von First- und Thirdperson-Shootern, Sport- und Rennspielen, Adventure- und Actionspielen, Aufbautiteln und Simulationen ist beinahe alles vertreten, was der Markt zu bieten hat.
Am meisten jedoch wurde das Projekt von den großen Rollenspielmeilensteinen der Vergangenheit beeinflusst, allem voran die Bethesda-Kolosse und Bioware-Titel der 2000er waren es, die das Spiel maßgeblich prägten. Das wohl größte Vorbild der jüngeren Spielegeschichte ist jedoch eindeutig Rockstars Westernepos Red Dead Redemption II. Jenes Meisterwerk sprengte nicht nur die vorab angenommenen Grenzen des Mediums Videospiel, sondern beeinflusste auch nachhaltig die Art und Weise, wie der Titel mit dem Genre im Allgemeinen umgeht.
Darüber hinaus scheinen sich die Entwickler lange und ausgiebig mit dem Videospielmarkt beschäftigt zu haben. So finden sich zahlreiche Anspielungen sowie Zitate als auch Meta-Diskussionen über die Branche selbst. Hierbei scheint man zu allem eine Meinung zu haben und diese, auch wenn sie nicht immer beliebt sein mag, logisch und nachvollziehbar begründen zu können. Allein Nintendo muss hier leer ausgehen – da schien es irgendwann einmal lediglich einen GameBoy gegeben zu haben.
Was den Umfang betrifft, müsste mal ein Maßband angelegt werden. Da jedoch eine Leidenschaft zum Kochen nicht zur übersehen ist, fällt dieser recht ordentlich aus.
Bereit für den Release?
Hat sich die lange Entwicklung des Titels also ausgezahlt? Wir finden ja! So sind es vor allem die Kreativität, die häufig ansteckende Positivität sowie die Passion für das Thema Videospiele, die den Titel besonders auszeichnen. Dazu hat der SAEK viele Erfahrungen beisteuern können, die dem Spiel langfristig sicher noch helfen werden. Die Vielfalt der Subgenre mit denen sich im Vorfeld beschäftigt wurde, sowie das solide Wissen über die Branche selbst, kommen hier ebenso positiv zum Tragen.
Wo Interessen oder gar Leidenschaften liegen, wurde ungemein viel Emsigkeit betrieben, um sich mit diesen auseinanderzusetzen. Weniger Spannendes wurde allerdings auch mit weniger Aufwand bearbeitet und scheint hier und da Motivation zu schlucken.
Dafür ist die Liebe zum Storytelling sehr lobenswert, die zwar manchmal einen Anspruch erzeugt, der dem Produkt etwas im Weg steht, der jedoch auch dazu dient, noch mehr aus sich heraus zu holen. Die heitere und witzige Art des Titels macht ihn außerdem zu einem sehr liebenswerten Wegbegleiter, womit er kooperativ hervorragend spielbar ist – die zusätzliche Bühnenerfahrung hat darüber hinaus das Potenzial, gut auf Streaming-Plattformen anzukommen. Kompetitive Multiplayerfreunde oder Grinder kommen zwar weniger auf ihre Kosten, Story-Fans und Hardcore-Gamer sollten jedoch definitiv zuschlagen!



