Noch nicht genug von Cyberpunk? Ghostrunner 2 entführt euch in ein rasantes Cyberabenteuer und legt zum Erstling überall eine Laserklinge drauf.
Krakau – 2023 scheint das Jahr der Cyberpunk-2-Spiele. Zuerst ging Cyberpunk 2077 mit der Erweiterung Phantom Liberty und dem Update 2.0 in die nächste Runde, jetzt erwartet uns Ghostrunner 2. In dem Action-Plattform-Slasher rasen wir in halsbrecherischer Geschwindigkeit durch Parkour-Level, schnetzeln uns mit dem Future-Katana durch Cyborgs und sterben dabei an jeder Ecke mehrfach. Unsere Gegner verschwinden zwar meist nach einem Treffer im Cyberspace, wir aber auch. Wie gut ist die Fortsetzung zum Überraschungshit von 2020?
Erinnerungen aus dem Cyberspace: Darum war Ghostrunner 1 so genial!
Ghostrunner war Bock-schwer. So oft starb ich bis dato nicht mal in Souls-Likes: Nach nur einem Treffer liegt unser Cyberwarrior im Neondreck. Die Gegner sind aber genauso schnell Geschichte. So hüpfte, dashte, wall-runnte und kämpfte ich mich in der Ego-Perspektive durch diverse neonbeleuchteten Level einer Tech-Dystopie.
Selten war ich so motiviert, aus meinem Ableben zu lernen und immer neue Runden mit verschiedenen Ansätzen auszuprobieren. Die Einstiegshürde war dementsprechend hoch, die Steuerung sorgte für etwas Verwirrung und die Übersicht ist in Nahkampfspielen aus der Egosicht immer so eine Sache – alles in allem liebte ich den Erstling aber sehr. Vor allem das Movement, die treibenden Technotracks und der anspruchsvolle Game-Flow sind bis heute unerreicht.
Ghostrunner 2 Review: Klassischer geht keine Fortsetzung
So erweitert Ghostrunner 2 das Konzept: Selten habe ich eine Fortsetzung gespielt, die so laut brüllt: „ICH BIN EIN ZWEITER TEIL!!!“ Überall legt Entwickler „One More Level“ nach:
• Größere, verschachteltere Level
• Sammelkram und versteckte Upgrades
• Optionale Herausforderungen wie Zeitrennen und perfektes Metzeln
• Übersichtlichere Steuerung
• Rätselpassagen
• Neue Wurfwaffen
• Gute Grafik, leider noch ohne RTX-Support
• Sehr gut Optimiert: Trotz Mittelklasse-PC läuft das Spiel butterweich auf hohen Grafikeinstellunge
• Nach jedem Level kommen wir in einen HUB mit Figuren, die die Story durch englisch vertonte Dialoge ausbauen
• Neben Parkour zu Fuß kommt jetzt auch ein Motorrad zum Einsatz
• Neues Skillsystem
• Auf dem Papier sieht es also richtig gut für Ghostrunner 2 aus! Auch in der Praxis?
Ghostrunner 2 Review: Mehr ist nicht immer besser
Die größten Neuerungen sind die Schlimmsten: Auf den ersten Blick wirken die mannigfaltigen Neuerungen richtig toll. Auf den zweiten zerschnetzeln sie aber die größte Stärke des Erstlings: den Gameflow. Durch die größeren Level muss ich mich häufiger fragen, wo ich hinmuss – Gameflow weg. Durch den Sammelkram muss ich häufiger stehen bleiben und suchen – Gameflow weg.
Besonders schmerzlich fällt diese Flow-Zerhackstückelung im zweiten Akt des Spiels auf: Hier öffnen sich die ausgebauten Schlauchlevel zu einer Mini-Open-World, die ich via Motorrad unsicher mache. Besonders der Wechsel von Bike auf Fuß und zurück – den wir machen müssen, um Areale von gegnerischem Gesocks zu befreien – fühlt sich repetitiv und unnötig kompliziert an. Eine Ruffunktion für unser Moped mit cooler, schneller Aufstiegsanimation, die mir direkt wieder Geschwindigkeit gibt, vermisse ich hier sehr. Dafür: Das Motorrad spielt sich genauso phänomenal wie das Gameplay zu Fuß.
Die ausgebaute Erzählung ist zwar lobenswert, doch muss ich so steifen Gesichtern bei noch steiferen Dialogen anhören, anstatt das zu machen, was am meisten Spaß macht: das Gameplay.
Das ist nach wie vor schnell, zwingt mich im Sekundentakt zum Taktieren und bringt mich pro Minute mehrfach um – doch ist es im Direktvergleich zum ersten Teil etwas langsamer geworden. Das hilft zwar der Übersicht und Neueinsteigern, macht es dem Game-Flow aber auch schwerer, mich zu fesseln. Dafür sind nach meinem Ableben keinerlei Ladezeiten vorhanden und ich bin sofort wieder in der Action. Mein größtes Problem mit den Kämpfen war jedoch die Kollisionsabfrage: Viel zu oft starb ich durch Projektile, bei denen ich mir sehr sicher war, dass sie mich eigentlich verfehlt hatten. Das ließ meine Frusttoleranz unnötig bröckeln.
Versteht mich nicht falsch: Ghostrunner 2 ist noch immer schnell, verzeiht keine Fehler, hat ein tolles Movement und Flowed in seinen besten Momenten extrem gut. Viele der neuen Features unterbrechen aber immer wieder unnötig die Erfahrung, ohne dabei großen Mehrwert zu bieten. Der Cyber-Soundtrack knallt aber nach wie vor und treibt mich angenehm durch die Neon-Level der dystopischen Zukunftsmetropole.
Für Teil drei wünsche ich mir deshalb wieder einen klaren Fokus auf die großen Stärken der Reihe: Die Schnelligkeit, der Anspruch und der Spiel-Flow. All diese Punkte sind im zweiten Teil zwar vorhanden, Features wie die größeren Level und der Sammelkram unterbrechen das eigentlich stimmige Erlebnis aber immer wieder, ohne das Spiel wirklich zu bereichern.
Ghostrunner 2 Review: Unser Fazit
Das ist mein Preview-Fazit zu Ghostrunner 2: Weniger ist manchmal mehr. Zwar bockt auch der zweite Teil des Cybergeschnetzels ziemlich, konterkariert jedoch unnötig die größten Stärken des Erstlings, um mehr Features auf die Verpackung schreiben zu können. Wer Ghostrunner mochte und sich wenig an den Neuerungen stört, kann jedoch bedenkenlos zuschlagen. Wer Teil eins zu schwer fand könnte im Zweiten Teil wegen des runtergeschraubten Tempos fündig werden. Wer jedoch Teil eins in Besser haben will, wird leider enttäuscht.
Die Stärken des Erstlings verwässern durch all die neuen Features. Dennoch: Auch Ghostrunner 2 hat ein phänomenales Movement, brachiale wie fordernde Kämpfe, einen treibenden Soundtrack und mehr Fleisch auf den Rippen. Das Meiste des neuen Fleischs hätte ich persönlich aber nicht gebraucht.
Allerdings bin ich mit dem Titel noch nicht vollends durch – sollte sich im weiteren Verlauf meine Meinung ändern, erfahrt ihr es natürlich als erstes. Müsste ich dem Titel schon jetzt eine Wertung geben, wäre es eine 75. Ghostrunner 2 erscheint am 26. Oktober 2023 für PC, Xbox Series S/X und PlayStation 5 für 39,99 Euro.
Veröffentlicht bei ingame.de: https://www.ingame.de/tests/ghostrunner-2-preview-test-eine-fortsetzung-die-alles-besser-machen-will-one-more-level-krakau-92596993.html




